Guillermo del Toro tut das, was er am besten kann, nämlich skurrile Geschichten erzählen, die in einem früheren Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts angesiedelt sind. So auch wieder in "Nightmare Alley", das in den 1930er Jahren im Umfeld der Welt des Varietés und des Jahrmarkts spielt.
Ich hatte erhebliche Probleme mit dem Film, das gebe ich offen zu. Zwar ist er in Sachen Ausstattung sehr schön umgesetzt. Vor allem in der ersten Hälfte wird die Welt des Zirkus und der Gaukler sehr stimmig inszeniert. Aber man wird dabei augenblicklich an viele andere Filme erinnert, die bereits ähnliche Bilder geliefert haben, wie etwa der berühmte "Freaks" von 1932. Und auch wenn del Toro die Figuren durchaus mit Respekt zeichnet, hat es doch auch immer etwas Voyeuristisches und ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Skurrilität hier keinen wirklichen Zweck hat, denn damit wird nicht wirklich etwas erzählt. Es wirkt wie bloße Show.
Das ändert sich dann im zweiten Teil, wenn der von Bradley Cooper sehr stark umgesetzte Charakter des Stan Carlisle seine Karriere als Mentalist startet und forciert. Dann wird aus der "Freak-Show" ein Film noir, aber auch hier – obwohl alles wirklich stimmig und schön inszeniert ist – kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass del Toro mehr zitiert – etwa von "Citizen Kane" – als inzeniert.
Die größte Schwierigkeit hatte ich aber mit der Qualität der Erzählung, das ist ein stetes Auf und Ab und der Film hat deutliche Längen. Gerade im Mittelteil hatte er mich schon komplett verloren, konnte mich aber am Ende mit der Dramatik wieder einfangen. Die "Moral" des Films oder, wenn eine solche gar nicht intendiert ist, das Ende der Figur des Stan war mir dann doch zu reißerisch, viel zu sehr gewollt nach dem Motto, "Hochmut kommt vor dem Fall", das wirkte nicht organisch, sondern konstruiert.
Ein optisch schöner Film, der mich aber nicht abholen konnte, weil ich nicht recht wusste, was ich damit anfangen sollte.