In The French Dispatch zieht Wes Anderson einmal wieder sämtliche Register, feuert ein Feuerwerk an skurrilen, farblich eindrücklichen Bildern ab und bedient sich einmal wieder dieser seltsam wirkenden Zweidimensionalität, wo manche Szenerien erscheinen, als würden sie nur horizontal und vertikal wachsen, ohne dabei Raum einzunehmen. Der Inhalt des Films ist diesmal (wieder) ein "special interest", es geht um die in Frankreich produzierte Kulturbeilage einer US-Regionalzeitung und jedes Ressort der Beilage erhält eine Episode im Film. Wer mit solcherlei kultureller und intellektueller Betätigung nichts am Hut hat, wird auch mit den Erzählungen des Films wenig anfangen können.
Optisch ist das erneut fantastisch, was Wes Anderson zeigt. Man staunt über die mit viel Liebe erschaffenen und unglaublich aufwändig aufgebauten Szenerien. Was für eine Kreativität! Oft weiß man gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll, in jedem Winkel scheint sich etwas abzuspielen und scheint es etwas zu entdecken zu geben. Dazu passt dann ebenso die eher kammermuskalisch gehaltene Begleitung der Filmmusik, wie die perfekt zu den Bildern passenden Kostüme.
Problematisch wird es da, wo die einzelnen Geschichten allzu speziell werden und man nicht viel findet, zu dem man Bezug nehmen kann. Das wird dann auch an manchen Stellen etwas langatmig und fade und so wirkt der Film oftmals etwas träge, weil die Erzählung dann nicht mehr der Geschwindigkeit und Aufwändigkeit der Bilder Schritt halten kann.
Der Film ist eine Liebeserklärung an den Kulturjournalismus, der heutzutage kaum noch stattfindet, der aber noch bis vor 20 Jahren – Dank der beliebten Beilagen in zahlreichen Tageszeitungen – relevant und beliebt war. Wer damit nichts anzufangen weiß und sich zum Beispiel noch nie für das Süddeutsche Magazin oder das Zeitmagazin interessiert hat, wird mit dem neuen Wes Anderson nichts anfangen können.
Mir hat der Film dennoch gefallen, vor allem die Bilder sind wieder einmal fantastisch. Dazu spielen die Riege an Filmstars allesamt hervorragend – allen voran Benicio del Toro als verrückter Mörder Moses Rosenthaler, der in Liebe zu seiner Wärterin Simone, gespielt von Léa Seydoux, entbrannt ist. Das ist sehr spaßig inszeniert und wirklich herausragend umgesetzt. Andere Geschichten fallen dahinter leider ein wenig ab und ich würde The French Dispatch nicht als Wes Andersons besten Film ansehen.